Einige Hinweise zu meinen Lehrtätigkeiten:
Die unten stehende Auflistung beinhaltet eine Übersicht über meine Lehrveranstaltungen an der Humboldt-Universität zu Berlin vom Wintersemester 1998/99 bis zum Wintersemester 2002/2003
Blockveranstaltung im Wintersemester 2008Fotografie und Kunstgeschichte
Lehrveranstaltungen an der Donau-Universität Krems, Zentrum für Bildwissenschaft
Blockseminar 27. Oktober 2008
www.donau-uni.ac.at/zbw »
Kommentar
Die Vorstellung, dass das Verhältnis des Menschen zur Welt nicht allein durch Sprache, sondern ebenso durch Bilder codiert und vermittelt wird, vertraten im 18. Jahrhundert bereits Fächer wie die Archäologie und die frühe Kunstgeschichte. Trotz der anfänglichen Skepsis gegenüber foto-mechanisch hergestellten Reproduktionen entwickelten diese Disziplinen ein differenziertes System bildlicher Analysemittel, das zu einer von schriftlichen Quellen differenten Quellenbasis führte. Künstlerische Artefakte wurden mithilfe von codierten Übersetzungsverhältnissen in zwei oder dreidimensionale Reproduktionen überführt, um die über die ganze Welt verstreuten Kunstwerke in ein Ordnungssystem einzufügen und auf diese Weise der wissenschaftlichen Analyse verfügbar zu machen.
Anknüpfend an visuelle Strategien, die bereits von grafischen Bildreproduktionen bekannt waren, gingen Kunsthistoriker und Verleger im 19. Jahrhundert daran auf Fotografien gestützte Bildarchive einzurichten. Der Einsatz von foto-mechanischen Verfahren und optischen Instrumenten machte das technisch reproduzierte Bild zu einem Erkenntnisinstrument insbesondere der universitären Kunstgeschichte. Der Einzug der Fotografie in das kunsthistorische Arbeiten war gefolgt von Aushandlungsprozessen. Die innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft über das Verhältnis von individuellem Kunstwerk und Reproduktionsmedium geführt wurden. Die Reflexion über den technischen Zugriff auf den kunsthistorischen Gegenstandstandbereich wurde lange vor dem Ausruf des »iconic turn« von einer differenzierten Bild- und Medienkritik getragen, da die Reflexion über künstlerische Ausdrucksformen immer auch unter den Bedingungen ihrer Reproduktion und Abstraktion durch das wissenschaftliche Bild von statten ging.
Durch die Ausformung einer genuin kunsthistorischen fotografischen Bildpraxis einwickelte die Kunstgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine visuelle Epistemologie, die die Argumentation im Bild nachvollziehbar machten wollte und das Fotografieren von Kunstwerken als eigene Forschungsmethode begriff.
Literatur:
Ingeborg Reichle: Kunst-Bild-Wissenschaft. Überlegungen zu einer visuellen Epistemologie der Kunstgeschichte. In: Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten (Hg.):
Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft, Berlin 2007, S. 169-189 - Ingrid Vermeulen:
Picturing Art History. The Rise of the Illustrated History of Art in the Eighteenth Century (dis.), Amsterdam 2006 - Barbara Kopf: Skulptur im Bild. Visuelle Dokumentation und deren Beitrag zur Entwicklung der archäologischen Wissenschaft. In: Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten (Hg.):
Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft, Berlin 2007, S. 149-167 - Rolf Sachsse:
Fotografie. Vom technischen Bildmittel zur Krise der Repräsentation, Köln 2003 - Ingeborg Reichle: Fotografie und Lichtbild: Die unsichtbaren Bildmedien der Kunstgeschichte. In: Anja Zimmermann (Hg.):
Sichtbarkeit und Medien: Austausch, Verknüpfung und Differenz von naturwissenschaftlichen und ästhetischen Bildstrategien, Hamburg 2004, S. 177-191 - Wiebke Ratzeburg: Mediendiskussion im 19. Jahrhundert. Wie die Kunstgeschichte ihre wissenschaftliche Grundlage in der Fotografie fand. In:
Kritische Berichte (2001), Heft 1, 22-40 - Ingeborg Reichle: Medienbrüche. In:
Kritische Berichte (2001), Heft 1, S. 41-56
Wintersemester 2007/08Bildwelten der Weltbilder
Christoph Markschies, Ingeborg Reichle, Steffen Siegel
Blockseminar am 10. November 2007, 8. Dezember 2007 und 12. Januar 2008
Burgstraße 26, Raum 108
Kommentar
Martin Heideggers Frage:
Was ist das – ein Weltbild? Offenbar ein Bild von der Welt. Aber was heißt hier Welt? Was meint da Bild? ist aktueller denn je. Weltbilder sind ein Versprechen auf Orientierung in einer immer unübersichtlichern Welt. Sie geben konkrete Antworten auf Fragen nach abstrakten Strukturen und sind Ordnungsschemata unseres Wissens und Leitbild unseres Handelns. Die hierbei gestellten Fragen betreffen den Kern unserer Vorstellungen von der Welt: Welche Gestalt hat die Welt? Welche Kräfte und Ideen wirken in ihr? Woraus besteht sie? Wie ist sie entstanden? Wie sieht ihre Zukunft aus?
Es sind Fragen nach einer umfassenden Ordnung, die den Menschen umgibt, und der Stellung, die der Mensch in dieser Ordnung einnimmt. Doch diese Welt wird nicht nur sprachlich erschlossen, sondern auch visuell. Im Weltbild steht der begrifflichen Ordnung eine modellhaft anschauliche Ordnung gegenüber. Im Seminar sollen gemeinsam die ideengeschichtlichen und medientheoretischen Voraussetzungen erarbeitet werden und anhand einer Auswahl konkreter Weltbilder überprüft werden.
Literatur:
Martin Heidegger:
»Die Zeit des Weltbildes« [1936]. In: ders.:
Holzwege, Frankfurt am Main, 6., durchgesehene Aufl. 1980, 73-110. – Martin Heidegger:
»Die Zeit des Weltbildes« [1936]. In: ders.:
Holzwege, Frankfurt am Main, 6., durchgesehene Aufl. 1980, 73-110. – Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten (Hg.):
Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft, Berlin 2007.
Lehrveranstaltung im Sommersemester 2007
Neuroculture. Zur Wissensgeschichte der modernen Hirnforschung (mit Dr. Cornelia Weber)
SE Do 10-12
wöch.
UL 6, 3031
Beginn: 24. April 2007
Kommentar
In den Neuro- und Kognitionswissenschaften wurden in den letzten Jahrzehnten auf molekularer, struktureller und funktionaler Ebene neue Erkenntnisse über die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns gewonnen, die auf der einen Seite im medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu neuen diagnostischen und therapeutischen Verfahren führen, auf der anderen Seite jedoch tief in unserer Kultur verankerte Vorstellungen von Bewusstsein, Selbstbestimmung und Willensfreiheit in Frage stellen. Im Seminar wollen wir die gesellschaftlichen Implikationen moderner Hirnforschung anhand der Lektüre einiger grundlegenden Texte zum Menschenbild in den Neuro- und Kognitionswissenschaften erarbeiten. Zudem sollen eine Reihe aktueller künstlerischer Reflexe vorgestellt werden, die auf eine kritische Auseinandersetzung mit den ethischen und juristischen Konsequenzen der modernen Neuro- und Kognitionswissenschaften zielen.
Lehrveranstaltungen seit 1998
Sommersemester 2006Die Bildwelten der Weltbilder (zusammen mit C. Weber)SE Do 10-12
wöch.
UL 6, 3031
Kommentar
Die Geschichte der Weltbilder ist vor allem die Geschichte ihrer Bildlichkeit. Der Begriff »Bild« im Wortgefüge »Weltbild« markiert fraglos die anbindung von Weltbildern an visuelle Medien. Mit der Untersuchung von unterschiedlichen Erscheinungsformen der »Welt als Bild« soll gezeigt werden, dass Weltanschauungen immer der Bildlichkeit bedürfen und Weltbilder eine visuelle Verdichtung von Weltanschauung darstellen. Kein Moment ist dem anderen vorgängig; vielmehr sind diese in einem zirkulären Prozess unauflöslich miteinander verschränkt. Das gegenwärtig große Interesse an pikturalen Codierungsformen sowie die grundlegenden Fragen nach den Möglichkeiten und den Grenzen bildgestützter Erkenntnisprozesse soll in dieser Lehrveranstaltung für eine interdisziplinäre Erforschung von Weltbildern fruchtbar gemacht werden. Die Arbeit im Seminar wird sich anhand von Referaten auf paradigmatische Studien konzentrieren. Dabei sollen die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Weltbildern in ihrer kulturellen, medialen und sozialen Bedingtheit analysiert werden. Besondere Berücksichtigung findet zudem die mit dem »iconic turn« in den Mittelpunkt des kulturwissenschaftlichen Interesses gerückte Bedeutung einer kritischen Analyse visueller Formen. Die Relevanz einer bildwissenschaftlichen Forschung zum »Weltbild« liegt nicht zuletzt in der enormen Vielfalt visueller Erscheinungsformen, die uns ein Bild von der Welt geben. Diese Visualisierungen reichen von historischen Modellierungen, etwa kosmologischen Weltbildern, bis hin zu jüngsten Visualisierungen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften.
Die Veranstaltung richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen (Seminar im Rahmen des Studium Generale). Es wird erwartet, dass jede/r Teilnehmer/in einen Beitrag übernimmt.
Wintersemester 2005Die Verkörperung des Wissens. Zur Genealogie epistemischer ObjekteLehrveranstaltung am Hermann von Helmholtz Zentrum für Kulturtechnik
www2.hu-berlin.de/kulturtechnik »
Dozierende: Dr. Cornelia Weber, Dr. Ingeborg Reichle
Veranstaltungs-Nr.: S 89 014
Zeit: Do 10-12
Ort: UL 6, Raum 3031
Beginn: 27.10.05
Kommentar:
Schon die Sammlungen der Kunst- und Wunderkammern des Barock stellten einen Versuch dar, Ordnung in das Wissen von der Welt zu bringen. In den Spezialsammlungen des 18. Jahrhunderts wurden die in der Welt gesammelten Objekte schließlich immer differenzierteren Systematisierungen unterstellt und in andere Ordnungssysteme eingespannt. Mit der Eingliederung der gesammelten Objekte in immer neue Phänomenfelder wurde nicht nur neues Wissen generiert, es kam auch zu einem Transformationsprozess, der die Artefakte zu »epistemischen Objekten« werden ließ. Im Seminar wollen wir anhand ausgewählter Sammlungen der Genealogie epistemischer Objekte nachgehen und die verschiedenen Praktiken der Verkörperung des Wissens innerhalb verschiedener Wissenschaftsdisziplinen bis in das frühe 20. Jahrhundert aufzeigen.
Die Veranstaltung richtet sich an Studenten aller Fachrichtungen (Seminar im Rahmen des Studium Generale). Es wird erwartet, dass jede/r Teilnehmer/in einen Beitrag übernimmt.
2004Zauber des Wissens. Von der Laterna Magica zum Wissenschaftstheater
Lehrveranstaltungen am Hermann von Helmholtz Zentrum für Kulturtechnik
www2.hu-berlin.de/helmholtz.php »
2004Lehrveranstaltungen an der Donau-Universität Krems, Zentrum für
Bildwissenschaft
www.donau-uni.ac.at/zbw »
WS 2002-03Natural Reality. Zum Verhältnis von Kunst- und Naturbegriff im Zeitalter der Technoscience
WS 2001-02Infobodies. Zur Konstruktion von Körper und Geschlecht in der Medienkunst der 90er Jahre
WS 2000-01Kunst und Evolution: Zur Verschränkung von Biotechnologie und neuen Medien in der Kunst der 90iger Jahre
SS 2000Fotografie als unsichtbares Medium des kunstgeschichtlichen Sehens: Zum Einsatz von Reproduktionsmedien und ihrer wissenschaftskonstituierenden Bedeutung im kunstgeschichtlichen Arbeiten
SS 2000Darwins Beitrag zur Kunst: Zur Verschränkung von Biotechnologie und Neuen Medien in der Bildenden Kunst
SS 1999Die Alten Griechen in Preußen: Philhellenismus als Gründungsideal preußischer Kulturinstitutionen des 19. Jahrhunderts
SS 1999Einführungskurs in die Geschlechterforschung der Kunstgeschichte
WS 1998-99Künstlerinnen der Renaissance